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Da hat sich Holger Heix, Dramaturg und Regisseur des Sommerstücks der Herborner Heimatspiele, im Verbund mit Mitautorin Cornelia Glade-Wolter, diesmal etwaS hübsch Böses ausgedacht.

Waren es in den vergangen Jahren Klassiker der Theaterliteratur, die Heix in der Kulturscheune - überraschend anders – zur Aufführung brachte, ist „Fragmente“ ein Puzzle, in dem alles mit allem verbunden ist. Das Theaterpublikum, das in der KuSch die Premiere eines Thrillers erleben konnte, der fast allen Beteiligten einen unerwarteten Bühnentod bescherte, entbehrte nicht einer gewissen Tragikomik.

Eine tödlich explosive Mischung hatten die Veranstalter versprochen. Und in der Tat, das verschachtelte Theaterstück, in dem fleißig erwürgt, erschossen und vergiftet wurde, ließ in Sachen Suspense und Thrill nichts aus, um für eine rätselhafte Spannung zu sorgen. Die jedoch geriet stellenweise etwas ins Stocken, immer dann, wenn man sich in zu langatmige Monologe verirrte. Das bremste die Handlung aus. Etwas weniger an Dauer hätte dem Spiel um die Gier nach Macht und Reichtum besser angestanden.

Eine Absteige in dem imaginären hessische Kaff Ableben, ist der Ort, wo sich alle Reisenden treffen: Erbschleicher, Auftragskiller und Auftragsmörder, jugendliche Streuner, die als „Natural Born Killers“ unterwegs sind, und eine Hotel-Concierge (Eva Schauwecker), die unentwegt nach verstecken Millionen ihres Mannes in den Gästezimmern sucht.

Und die ersten Gäste sorgen gleich für den schauspielerischen Höhepunkt des Abends. Das Ehepaar Valerie und Jürgen Neumann, das mit ihrem etwas zurückgeblieben Sohn erscheint, lässt in dem grellbunten Hotelzimmer einen wohligen Hauch von „Wer hat Angst vor Virgina Wolf“ vom Stapel. Martina Hofmann gibt die giftige, zynische Ehefrau mit einer solchen Intensität, das man sich wünscht, nie ihren Tiraden und Gewaltausbrüchen ausgesetzt sein zu müssen, wie David Löll in der Rolle ihres Gatten und Linus Göbel als Lucien, der wortlos alle Erniedrigungen hinnimmt – bis die Mutter erwürgt und der Vater einem asthmatischen Anfall erliegt.

Drastisch sind die Dialoge, die sich in den verschieden Einzelszenen entfalten. Die an Zitaten aus der Film- und Krimigeschichte reiche Handlung, lässt Vermögen platzen, Dackel in zwei Hälften spalten und Auftragskiller ins Philosophieren kommen. Der lungenkranke Herr Schmidt (Manfred Becker) sinniert über fernöstliche Weisheiten, während sein Adept, Herr Schmidt 2 (herrlich schräg gespielt von Thomas Schlabach) Comichelden imitiert und sich aus Versehen im Bad stranguliert.

Die in die Jahre gekommene Filmdiva Sophia Laurent und ihr Chauffeur (Cornelia Glade-Wolter und Holger Heix) verspritzen jede Menge Gift. Bis es bei ihnen schließlich zum Exitus kommt, vergeht leider etwas zu viel Zeit und drosselt das Tempo.

Groß im Auftritt, grandios im Abgang sind Albert Follert als Milliardär Günter von Goscheit und Susanne Schalbach als seine Sexgespielin. Irgendwie tragisch wirkt der Auftritt des Ehepaars Gertrude und Arnulf von Goscheit, (Christiane und Michael Krüger). die als Auftragsmörder ahnen, dass sie selbst nicht mehr lebend aus den Kissen ihres Hotelbettes herauskommen.

Fast wie ein Fremdkörper wirkend, wenngleich ein gerne genommener, agieren Svenja Kugler und Dominik Visca mit faszinierender Eindringlichkeit als jugendliche Killer in diesem Mörderspiel. Sie morden und stehlen nicht aus Gier, sondern weil es ihnen einfach Spaß macht. Dennoch sind sie ein Teil des PuzzleS, sind verwoben in dem schicksalhaften Aufeinandertreffen von Familienmitgliedern in Ableben, wo selbiges für sie vorprogrammiert ist.

Am Ende findet vor Gericht der Prozess um den einzigen Überlebenden statt. Und auch hier treiben Richterin (Britta Großmann), Staatsanwältin (Anne-Ruth Himmelreich, JVA-Leiter (Andreas Hofmann), Rechtsanawalt (Heinz Zehner) und Psychiater (Tomas Jopp, Bernd Winneman) ein perfides Spiel um Recht und Gerechtigkeit.

„Fragmente“ ist ein in großen Teilen gelungenes Theaterstück in sieben mörderischen Szenen, denen man, wie schon erwähnt, eine zeitliche Straffung gewünscht hätte. Das Stück könnte so noch mehr an Rasanz und Brisanz gewinnen.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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