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Freche Musik-Comedy, gepaart mit hoher Bühnenpräsenz – das sind Julia Gámez Martin und Ariane Müller, alias "Suchtpotenzial". In der KuSch waren sie zum zweiten Mal zu Gast – diesmal mit dem Programm "Eskalatiooon".

Ariane, der musikalische Vamp mit schwäbischen Wurzeln, und Julia, Halbspanierin aber noch viel mehr Typ freche Berliner Göre und der facettenreichen Stimme - das ist eine Konstellation, die viel versprach und noch mehr hielt.

Der Duden meint: „Suchtpotenzial ist ein Abhängigkeitssyndrom und kann auf Verhaltensmuster angewandt werden, bei denen keine Substanz konsumiert wird. Die Dynamik solcher Muster zeigt Parallelen zu dem, was beim Konsum suchterzeugender Substanzen vor sich geht." Ob das auf die KuSch-Besucher durch den Konsum der Vorstellung zutrifft, bleibt abzuwarten.

Auf jeden Fall sorgte der hochprozentige Blödsinn, gepaart mit erstklassigen Instrumental- und Gesangseinlagen für eine Riesenstimmung. Wenn sich Julia, von Ariane am Klavier begleitet, einen Bauer als Mann wünscht, wird daraus eine Ode an die kleinen Orte mit den grünen Ortsschildern, in denen das Duo so gerne aufritt.

Das Tanz-Tourette bei Gámez Martin scheint ausgeprägt, während die „Müllerin“ im Sprechen ohne Punkt und Komma ebenfalls ganz besondere Fähigkeiten beisteuert. Mit ihrem musikalischen Ausflug in die Hippie-Zeit mit Blumen im Haar und Julia mit der Mundharmonika im Jimmy Hendrix-Stil, traf das Comedy-Duo genau den Nerv des Publikums.

Das Duo paarte Zeitkritik mit Komik ("Es muss nicht immer Fleisch sein, jedenfalls nicht vom Tier"). Überhaupt schafften sie es, im Verlauf der zweieinhalb Stunden ohne penetrante Belehrungen mit viel Berliner Witz und schwäbischem Tiefgang ihre Themen zu verarbeiten. So blieb noch genug Platz für das Burka-Lied und einer deutlichen Absage ans männliche Geschlecht, alleine zu entscheiden, was erlaubt und verboten ist.

Als beide im Sprechgesang mit ihren jeweiligen Leiden protzten, wurde es sehr authentisch. „Dir geht es schlecht, aber mir geht‘s viel schlechter" und das Publikum fiel in den Refrain mit ein. Ein Startup als professionelle, schlechte Nachrichtenüberbringer malten die Beiden in epischer Breite aus – so macht doch der Bescheid des Finanzamts gleich viel bessere Laune.

Die Zugabe über die Ochsentouren durch die Kleinstädte, die alle Kleinkunst-Darsteller bewältigen müssen, gipfelte schließlich in einem musikalischen Appell an die Mächtigen dieser Welt, nicht untervögelt zu regieren. Gegen Kriegsgelüste und ähnlichen Wahnsinn helfe nur „Ficken für den Frieden“. In den Refrain (oder war es doch „stricken“ oder „kicken“?) stimmten die meisten KuSch-Besucher begeistert mit ein. und nahmen noch den Hinweis mit „Jeder von Euch kann tun, was wichtig ist: Make love, not war."

(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 
Autor
Siegfried Gerdau

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Seit 2005 arbeitet Siegfried Gerdau (sig) für die im heimischen Raum erscheinenden Tageszeitungen als Freier Journalist. Daneben agiert er als Fotograf für Industrieunternehmen und Privat-Kunden.
 

 

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